Das Ende der Globalisierung

Warum wir wieder vernünftig wirtschaften müssen

31.10.2009 Angelika Basdorf

Johanna Joppe und Christian Ganowski, Inhaber einer internationalen Beratungsgesellschaft für Risikomanagement, erklären in ihrem neuen Buch globale Krisenzusammenhänge.

Die Autoren sagen es selbst: Der Titel des Buches führt in die Irre. Denn was Johanna Joppe und Christian Ganowski zum Thema Globalisierung zu sagen haben, sprengt die Grenzen eines Sachbuchs und handelt davon, umzudenken. Außerdem ist es eine Art von Abrechnung der beiden Inhaber einer internationalen Beratungsgesellschaft für Risikomanagement und intelligente Managementsysteme mit der Gedankenlosigkeit, die uns in die Wirtschaftskrise geführt hat.

Global Player, deren Namen jeder kennt, machen in diesem Zusammenhang keine gute Figur. Aber mithilfe von Anekdoten und humorvollen Beispielen gelingt es den Autoren stets, allzu menschliches Handeln zu erklären, ohne es jedoch pauschal zu entschuldigen. Dabei schöpfen sie aus ihrem offensichtlich reichen Erfahrungsschatz bei der Beratung von Unternehmern und Managern, die zum Beispiel in einem Meeting mit Joppe und Ganowski erstaunt feststellen, dass ihnen die Definition von Globalisierung schwerfällt. „Globalisierung“, schreiben die Autoren, „ist wahrscheinlich das einzige Gesellschaftsspiel, das Menschen spielen, ohne die Regeln zu kennen.“

Globalisierung: Hausgemachte Katastrophe

Schonungslos führen sie dem Leser seine eigene Naivität vor Augen: „Der eigenverantwortliche Konsument wurde ausgerottet.“ Billig-Feuermelder aus China, die Brände verursachen, Öko-Äpfel aus Neuseeland, deren Transport auf unsere Märkte Tonnen von Klimagasen in die Luft pustet, Unternehmen, die ihre Produktion erst ins „billige“ Ausland verlagern und dann erst recht pleite gehen: Auch ohne Weltwirtschaftskrise machen sich die negativen Seiten der Globalisierung bemerkbar. Aus Sicht der Ökologie und der Klimaforschung ist sie eine Katastrophe, die Ausrichtung auf den Export macht Unternehmen abhängig von fremden Märkten, und der Verbraucher leidet unter mangelhafter Produktqualität, weil internationale Standards fehlen.

„Die Globalisierung war ein Bluff“, sagen die beiden Wirtschaftsexperten, und jeder, der Ahnung von Volkswirtschaft habe, müsse eigentlich selbst darauf kommen: „Märkte dulden keine Ungleichgewichte, sie besitzen eine starke Tendenz zum Preisausgleich.“ Jeder Preis- und Kostenvorteil werde vom Markt umgehend nivelliert. Das heißt: „Die Globalisierung ist kein neues, goldenes Zeitalter, sondern fußt einzig und allein auf einem komparativen Preisvorteil von bestimmten Ländern, den jedes VWL-Lehrbuch als temporär, als vorübergehend bezeichnet.“

Die Globalisierung selbst gestalten

Aus dieser Blindheit führen die Autoren ihre Leserschaft sodann Schritt für Schritt in eine deglobalisierte Welt, die sie für dringend erforderlich halten. Letztlich, so die Schlussfolgerung des Buches, übt jeder Einzelne mit seinen täglichen Kaufentscheidungen wirtschaftsgestaltenden Einfluss aus: „Ein Konsument, der seine Lektion gelernt hat, verlässt sich nicht auf Vorgaben von außen. Er entscheidet selbst. Er recherchiert seine Entscheidung selbst.“ Am Ende stehen die Fragen, die jeder für sich beantworten muss: „Was für Menschen sind wir? Was für Menschen wollen wir sein? Wie wollen wir leben? Feig oder im Konsumrausch? Oder authentisch?“

Johanna Joppe/Christian Ganowski: Das Ende der Globalisierung. Warum wir wieder vernünftig wirtschaften müssen. Redline-Verlag 2009. Gebunden, 233 Seiten. Euro 19,90.

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